Anonymer Brief

Diesen Brief fand ich heute in meiner Post. Ich nehme diese Zeilen sehr ernst, da es für mich ein Hilferuf eines Bediensteten ist. Selbstverständlich bin ich gerne auf diese Zeilen eingegangen, auch um Licht in unser Personalvertreter-Leben zu bringen. Leider können wir nicht alles so umsetzten wie wir es gerne für euch hätten, aber lest selbst…..

Hier ist der anonyme Brief zum Lesen

Lieber Unbekannter!

Vorweg, ich finde es schade, dass du anonym schreibst. Viel lieber würde ich mich, würden wir uns, mit dir zusammensetzten und jeden einzelnen Punkt mit dir durchgehen. Ich versuche so gut es mir möglich ist auf dein Schreiben einzugehen.

Wir wissen zu genüge wie viel Arbeit vor uns liegt und eine zusätzliche Aufgabe, die in deinem Schreiben keinen Platz findet, ist es diese Arbeiten nach Prioritäten zu ordnen. Es macht wenig Sinn im Moment mit der Dienststelle über die Sommerschule zu verhandeln, wenn der 24. und 31. geregelt gehört. Trotzdem schaffen wir jetzt im Dezember eine Arbeitsgruppe, die sich mit diesem Thema auseinandersetzt, um nächsten Sommer nicht wieder überrollt zu werden.

Nun aber tatsächlich zu deinem Schreiben – am besten Punkt für Punkt.

  • Die Dinge werden wahrgenommen und gehört. Noch sind wir aber nicht die Arbeitgeberin, sondern die Personalvertretung. Somit sieht der Arbeitsalltag anders aus, als wenn wir alle Entscheidungen treffen dürften.
  • Die Monatssitzungen sind nicht ausgefallen, weil wir sie nicht mehr durchführen wollten, sondern weil es pandemiebedingt schwer bis gar nicht möglich war. Umso mehr haben wir in dieser Zeit versucht über die Homepage an euch heranzukommen. Da uns bewusst ist, wir steuern mit Garantie auf den nächsten Lockdown zu, haben wir nach Alternativen gesucht, um den Informationsfluss für euch aufrecht zu halten. YouTube kam uns da gelegen um das persönliche Gespräch, zumindest zu simulieren. Weiters war es uns ein Anliegen allen Bediensteten dieselbe Qualität und Quantität an Informationen zukommen zu lassen. Dies ist mit der Homepage und den Videos möglich. Niemals werden sie das persönliche Gespräch oder unsere Infoveranstaltungen ersetzten. Sie sind aber eine gute zusätzliche Möglichkeit, die wir in eurem Interesse nutzen und ausbauen wollen.
  • Maskenpflicht ist keine Erfindung der Dienstgeberin und auch nicht der Personalvertretung. Sie ist in gesetzlichen Verordnungen festgehalten. Somit ist sie für uns bindend. Wir wissen nur zu gut was es bedeutet den ganzen Tag mit der Maske herumzulaufen, man sollte aber auch den Nutzen sehen. Immerhin ist es Schutz für uns. Solltest du zu wenig FFP2 Masken haben, kannst du dich jederzeit an die Dienststelle oder auch an uns wenden und wir werden dir behilflich sein.
  • Es ist nicht Aufgabe der Personalvertretung euch davon in Kenntnis zu setzten, wenn es wieder eine neue Mitteilung am Laufwerk gibt. Wir tun es aber trotzdem, weil wir euch nicht im Regen stehen lassen wollen. Es ist aber auch jedem Bediensteten zumutbar einen Blick auf den Dienstlaptop zu werfen. Viele Aussendungen (Mails) der Dienststelle an euch sind nur deshalb ausgesandt worden, weil wir die Dienststelle gedrängt haben.
  • Dienstvorschriften können nicht so einfach geändert werden. Dazu bedarf es auch der Zustimmung der Personalvertretung. Wenn es zu einer Änderung kommt, wurdet ihr bis jetzt immer von uns darüber in Kenntnis gesetzt.
  • Brandschutz ist ein heikles Thema und wir können dir versichern, auch daran arbeiten wir stetig. Es gibt auch schon einige Lösungsvorschläge, nur wir sind nicht die Dienstgeberin. Fakt ist, es wertet unseren Beruf auf. Fakt ist aber auch, um es ordentlich durchführen zu können muss uns die Zeit dazu gegeben werden.
  • Wo wir sind, wenn Springer*innen als Raumpflegerinnen eingeteilt werden. Das kann ich dir beantworten. Wir sitzen beim Jour fixe und fordern, dass, außer in Notfällen, nur mehr Springer*innen im neuen Gehaltschema als Raumpflegerinnen eingesetzt werden, und wir haben eine Zusage von der Dienststelle. Jetzt schauen wir genau hin, ob es auch umgesetzt wird, und erinnern die Dienststelle an die Zusage, wenn es nicht so läuft.
  • Auch Fensterreinigung ist ein Thema, immer wieder. Es gibt aber auch Kolleg*innen die es nicht positiv sehen, wenn wir da am Ball bleiben. Man kann es leider nicht Jeder/m recht machen.
  • Was die Sommerschule betrifft, gibt es, und das ist auch neu eingeführt, ein Team, welches sich speziell mit diesem Thema befasst. Es wird nach Lösungen gesucht. Lösungen, die für beide Seiten vertretbar sind.
  • Auch das Thema Dienstpost steht auf unserer Agenda, die mit der Dienststelle besprochen wird. Fakt ist aber auch, niemand braucht Pakete holen, niemand muss mit seinem privaten KFZ, Dienstpost bzw. Pakete holen. Ich habe bereits einen Homepagebeitrag darüber verfasst. Es ist halt schwer zu argumentieren, wenn es viele Bedienstete gibt, die dann mit privaten PKW die Pakete abholen.
  • Info über den 24. und 31. Können wir erst weitergeben, wenn die Gespräche mit der Dienststelle beendet sind. Es wäre unprofessionell euch was zu erzählen, was dann letztendlich doch anders umgesetzt wird. Heute wurde übrigens das Endergebnis auf unseren Homepages präsentiert. Übrigens wieder eine Information die wir als Service für euch weitergeben. Es wird auch zeitgerecht von Seiten der Dienststelle eine Aussendung kommen. Wir aber informierten euch heute, weil es das Ergebnis seit heute gibt.
  • Wir senden keine Videos, um jemanden zu verurteilen, sondern um aufzuklären. Es gab immer mehr Beschwerden über Einschuler von eurer Seite. Es war nicht leicht, da die betroffenen Personen beide Tätigkeiten gerne ausgeführt haben. Wir sind da eurem Drängen gefolgt und haben diese Entscheidung getroffen. Eine Entscheidung in eurem Sinne.
  • Wie wertvoll ihr seid, teilen wir euch nicht nur zu Weihnachten mit. Ich müsste jetzt nachzählen, aber Wertschätzende Worte gab es mehrmals und zurecht für alle Bediensteten von unserer Seite, weil wir wissen, was ihr leistet. Ich kann auch leicht erklären, warum wir uns dessen bewusst sind, wir sind nämlich nicht nur Personalvertreter, die viel, sehr viel unserer privaten Zeit für diese Aufgaben verwenden, wir sind auch Raumpflegerinnen, Schulwart*innen und arbeiten dasselbe wie ihr.

So viel Verständnis ich auch für deine Beschwerden aufbringe. Immerhin sehe ich das Schreiben, vor allem weil es anonym verfasst ist, als Hilferuf eines verzweifelnden Mitarbeiters. Ich kann dir versichern uns geht es genauso und wir erleben dieselben Dinge. Wir kämpfen gegen dieselben Ungerechtigkeiten an. Wir versuchen sehr viel, was in unserer Macht steht. Wir können uns nicht hinter Papier und Zeilen in eine Anonymität zurückziehen. Nein, wir führen stark, aufrecht und „bekannt“ Gespräche und Verhandlungen.

Ich verstehe deine Sorge und deinen Ärger, bitte verstehe aber auch, wir sind nicht die Dienstgeberin, wir sind nicht der Arbeitsgeber, wir sind die Personalvertretung. Zeige auch du deine Stärke und melde dich bei uns oder arbeite mit uns mit. Du bist eingeladen deine Ideen, deine Lösungen und deine Ausdauer für die Kolleg*innen einzubringen.

Ich hoffe ich konnte dir auch damit zeigen, wie ernst mir/uns eure Sorgen und Angelegenheiten sind. Die Antwort auf deinen Brief hat mich einiges an Zeit gekostet die ich mit meiner Familie verbracht hätte. Mir war es das aber wert diese Zeit dir zu widmen. Auch das ist Personalvertreterarbeit.

liebe Grüße
Christian Volek

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