500 Euro

Reaktion der Younion_Die Daseinsgewerkschaft:

Laut Medienberichten hat Bildungsminister Martin Polaschek die Schulleiter*innen der Pflicht- und Bundesschulen in einem Brief darüber informiert, dass sie eine Corona-Prämie von 500 Euro erhalten. Ein kleines Ostergeschenk, sozusagen.

„Wir vergönnen unseren Kolleg*innen in den Schulen jeden Cent, das ist keine Frage“, sagt Manfred Obermüller, stellvertretender Vorsitzender in der younion _ Die Daseinsgewerkschaft. Und weiter: „So eine Prämie hätten sich aber viele Mitarbeiter*innen in den Schulen und in ganz vielen anderen Berufsgruppen verdient, die das System unter enormen persönlichen Einsatz und auch Risiko am Laufen gehalten haben. Ich fürchte aber, dass es sich bei der Aktion nur um ein Ablenkungsmanöver handelt. Statt Reformen, wie zum Beispiel in den elementaren Bildungseinrichtungen, gibt’s einmalig Geld für Wenige.“

Judith Hintermeier, selbst Pädagogin und Bundesfrauenreferentin in der younion _ Die Daseinsgewerkschaft: „Uns haben bereits viele Kolleg*innen aus den Kindergärten, Horten und Kleinkindergruppen auf diese Polaschek-Prämie angesprochen. Sie verstehen nicht, wie man so unsensibel vorgehen kann. Sie fühlen sich schon seit Jahren komplett vergessen und benachteiligt – und jetzt das!“

Hintermeier verweist auf die großen Demonstrationen vor dem Bildungsministerium in Wien und in den anderen Bundesländern: „Es wird bald noch mehr Wirbel vom Personal in den ersten Bildungseinrichtungen geben, wenn das so weiter geht! Uns erklärt der Minister immer, dass er für die Elementarpädagogik keine Zeit hat, weil er mit der Ukraine-Krise so beschäftigt ist. Dann schlüpft er plötzlich in das Osterhasenkostüm und verteilt kleine Geschenke.“

Manfred Obermüller: „Der Minister ist mit der Aktion zum Stups, dem kleinen Osterhasen geworden. Wie heißt es so schön in dem Lied: ‚Ganz egal, wohin er lief, immer ging ihm etwas schief‘. Jetzt sollte er schleunigst das Kostüm abstreifen – und nachhaltige Arbeit in der Elementarpädagogik leisten.“

Reaktion einer Lehrerin:

Maria Stern:

Ich finde es niedlich, wenn Schuldirektor*innen 500€ für ihr Corona-Management bekommen werden. Das ist mehr, als beklatscht zu werden.

Und wir Lehrer*innen?

Wir gehen mitten in die Kinderschar, während ihr im Homeoffice seid. Wir wissen, dass wir auf den Schulgängen täglich mit mehreren 100 Familien verbunden sind. Wir unterrichten mit FFP2 Masken, bis wir keine Luft mehr kriegen.

Wir ertragen die Fragezeichen eurer Kinder am ersten Tag eines Lockdowns. Wir geben ihnen täglich Struktur, während Zeit und Raum rundherum zerfallen. Wir sind zuversichtlich, während die Zukunft eurer Kinder ein schwarzes Loch scheint. Wir schenken Hoffnung, während die Medien berichten. Wir motivieren sie in jeder Unterrichtsstunde, während die Welt aus den Fugen bricht.

Wir kitten polarisierte Klassengemeinschaften. Wir testen alle Kinder regelmäßig und kommen mit der verlorenen Unterrichtszeit zurecht. Wir lesen die spontanen Verordnungen und halten uns daran. Wir kommen damit zurecht, dass ständig viele krank sind und aus dem Lernrhythmus fallen.

Wir üben mit euren Kindern Toleranz und gewaltfreie Kommunikation, während autoritäre Nationalisten Wahlen gewinnen.

Wir stehen vor euren Kindern, die uns fragen, ob jetzt der Dritte Weltkrieg ausbricht. Wir umarmen eure Kinder innerlich, die den Krieg auf ihren Handys haben. Wir saugen uns Erklärungen aus den Fingern, erklären den Kalten Krieg und würden lieber wöchentlich mit euren Kindern auf Demos gegen die Klimakatastrophe gehen.

Wir reden mit euren Kindern über psychische Probleme, weil wir wissen, dass ca. 50% der Jugendlichen unter diesen leiden. Wir helfen euren Kindern, wenn sie wieder in die Psychiatrie gehen. Wir fragen uns mit ihnen, warum die Politik diesen Trend verschläft.

Wir sehen die wachsende Kinderarmut.

500€ für Schuldirektor*innen sind niedlich. Das ist besser, als beklatscht zu werden. Was uns wirklich helfen würde, wäre eine bundesweite Schulreform, die sich am internationalen Stand der Gehirnforschung orientiert und nicht an den Strukturen von Militärakademien der Maria Theresia. Und wir wünschen uns, bei der Finanzierung von Schulen in Freier Trägerschaft nicht europäisches Schlusslicht zu sein. Ist da wer?

Reaktion von Leser*innen:
* Da wird die Dekadenz, dieser völlig von der Rolle befindlichen Unregierung sichtbar. 😡
* Habs grade auf der info screen gelesen und mich sehr geärgert. So eine Schweinerei
* Was ist mit den Reinigungskräften und den Schulwart*innen, die für Hygiene und Sauberkeit sorgen müssen und in der Einkommenspyramide am Schluss stehen? Wie verachtend kann eine Regierung sein!
* Diese Aktion ist wirklich unter jeder Kritik!
* Diese Ignoranz des Bildungsministers ist nicht zu fassen. Irgendwie aber auch bewundernswert, was der sich traut. Oder sollte er tatsächlich nicht verstehen, was er da tut?
* Das ist wirklich die allergrößte Frechheit, ich möchte wirklich wissen, wie sie das begründen

Unsere Reaktion:

2 Kommentare zu „500 Euro

  1. Leider hat Herr Polaschek absolut keine Ahnung was in den Schulen wirklich abgeht, seine „Schönwetterbesuche“ kann er sich sparen ,braucht niemand ! Was seine Direktoren bzw. „Halbtagsdirektoren“ wirklich leisten weiß er nahmlich auch nicht , es gibt sicher sehr viele die fleissig sind ,keine Frage ,das ist aber auch ihr Job !
    Vom Einkommen sind sie aber fast alle gleich ,sie bekommen ein sehr gutes Gehalt ,dafür daß sie delegieren und sich ihren Job so angenehm wie möglich machen und jetzt gibt’s noch 500 drauf , DANKE her Minister, das motiviert uns alle sehr weiter zu machen . Einfach nur frustrierend.

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  2. Wenn der Hr. Minister Polaschek von Manager und Managerqualitäten bei der Ankündigung des Bonus für Schulleiter schreibt, dann erzeugt dies ein gequältes Lächeln auf meine Lippen. Weder der Hr.Polaschek, noch die meisten Schulleiter agierten jemals als Manger in der Privatwirtschaft und so ist ihr Tun und Handeln als „überschaubar“ zu bewerten. Jedenfalls würde sich jede Firma, in absehbarer Zeit, von so einem Manager trennen.
    Ich bemerke nur, dass wir und es handelt sich auch hier um unser Steuergeld, zu Nettozahler verkommen, sprich, wir zahlen ein, bezahlen mehr und sogenannte „Leistungsträger“ werden beschenkt. Dies in einer Zeit der Teuerungen, der Krisen, eines Krieges mit Vertreibenen und diese Liste ließe sich noch weiter fortsetzen.
    Ich fordere keinen Bonus, keine Sonderzahlung, etc.. Ich würde Fordern, dass würde der Anstand gebieten, dass zumindest ein Teil des Geldes gespendet würde.
    Es gibt eine sogenannte Berufsehre, d.h. seinen Beruf bestmöglichst auszuüben. Für viele bedeutet allerdings „bestmöglichst“, ein Minimum an Arbeitskraft und Wissen……
    Hans-Peter Nagy
    MS Absberggasse

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