Geschichten von NY01 „Das Boot MA56“

Eine Geschichte aus dem Archiv von NY01, die im Lockdown geschrieben wurde und immer noch Gültigkeit hat.

Gedanken eines Seebären

 Jedes mal, wenn ich das sogenannte Endgerät Dienstlaptop hochfahre, kommt mir  der Gedanke an die Verschlüsselungsmaschine, die in dem Film und auch TV Serie „Das Boot“ eine nicht so unbedeutende Rolle spielte,  der Gedanke an diese eigenartigen „Durchhalteparolen“. Nachrichten, die auf diesem Gerät empfangen werden, müssen zuerst entschlüsselt werden, um die Befehle umsetzen zu können, ohne dass sie nicht ihren Sinn verlieren. Allerdings und man möge mir den Vergleich mit einer weitaus schlimmeren Zeit verzeihen, ist die Sinnhaftigkeit auch hier, wie damals, sehr in Zweifel zu ziehen.

 Bald neun Wochen sind wir hier schon auf Tiefgang, eingetaucht in erhaltende Arbeiten, das Boot „klar Schiff machen“ oder halten. Viele Kameraden genießen nach ein oder zwei Wochen, einen „Landgang“. Manche wohl als „systemrelevant“, ich hätte schon fast „kriegsentscheidend“ geschrieben,  eingestuft, verbleiben auf dem „Seelenverkäufer“.

 Wieder eine Nachricht. Diesmal auf dem Desktop. Vom Admiral der MD persönlich. „Grundregeln einhalten, weitere Disziplin im Einhalten der Grundregeln“ wird hier genau so skandiert, wie „Vergessen Sie bitte nie, dass auch in Krisenzeiten konstant Qualität und Leistung von uns erwartet wird, dass sich für die Menschen draußen das Gefühl einstellen muss, auch mit eingeschränktem Parteienverkehr, gut versorgt und betreut zu sein, dass Anliegen rasch und professionell erledigt werden. UND: dass es auch im eingeschränkten Miteinander, Ansprechpartner und Fürsorge gibt und niemand zurückgelassen wird…..weiter geht es mit: „Dennoch sollte uns klar sein, dass mit Ende April alle Vorbereitungen fürs Segel hissen und klar Schiff machen getroffen sein müssen. Wir alle wissen: Ein Tanker, wie die Wiener Stadtverwaltung es ist, mit all den ausgelagerten Einheiten, fährt auch beistürmischem Seegang konstant und mit hoher Verlässlichkeit – braucht allerdings auch seine Zeit, um Kursänderungen vorzunehmen. Abgesehen davon müssen einige Beiboote ohnehin schon davor in See stechen und den Betrieb hochfahren.

“30.04.2020 Logbucheintrag zum Tag: Endlich. Wir laufen in den Hafen ein. 14 Tage Landgang für die Mannschaft, also mir. Ich streiche vorerst die Segel. Paradoxerweise zum 1. Mai, dem „Tag der Arbeit“. Am Montag übernimmt ein Kamerad das Boot. Ich hoffe, er schifft es gut um alle Klippen, Untiefen und Stürme.„Mast und Schottbruch“, wünsche ich ihm, quasi im Jargon unseres Magistratsdirektors…..

NY01

Kapitän zu Schmäh

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