Adventkalender Tag 4

Am 3. April 2020 wurden einige Kollegen, darunter auch ich, durch halb Wien geschickt, weil wir Masken fürs Lehrpersonal holen mussten. Das war der Tag in der Pandemie, in der die Fahrt in öffentlichen Verkehrsmitteln nur mehr mit Ausnahmegenehmigungen gestattet war.

Niemand wusste so recht, wie gefährlich das Virus ist. Hilfsbereit und pflichtbewusst wie wir sind, machten wir uns auf den Weg um die Schutzmasken für die Lehrer*innen abzuholen. Umso erstaunter waren wir bei der Ankunft, dass man uns sage und schreibe ein Plastik-Sackerl mit 5 bis 7 Einwegmasken in die Hand drückte.

Für meine Begriffe eine unvergleichbare Respektlosigkeit gegenüber unserer Berufsgruppe. Ich habe in der Funktion als Personalvertreter gleich nach der Ankunft in meiner Schule folgenden Brief, der für große Aufregung sorgte, verfasst und an den Bürgermeister, die Vizebürgermeisterin und den Stadtrat geschickt:

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Dr. Michael Ludwig

Frau Vizebürgermeisterin Fr. Birgit Hebein

und Herr Stadtrat Mag. Jürgen Czernohorszky

Mir wurde gerade der Auftrag erteilt selbstgenähte Masken für Lehrer aus einer Berufsschule abzuholen. Diese nette Idee kam, dem Schreiben zu entnehmen, von der Bildungsdirektion, Hr. Corazza.

Ich möchte meine Empörung zum Ausdruck bringen, dass wir Schulwart*innen, in diesen Zeiten von den Schulleitungen und der Bildungsdirektion öffentlich durch Wien geschickt werden.

Die betroffenen Schulwart*innen setzten sich damit einer Gefahr aus, die in keinem Verhältnis zu dieser Aktion steht.

Nicht nur, dass in den meisten Schulen Masken vorhanden sind, ist in jedem Lebensmittelgeschäft ums Eck eine gratis zu erwerben.

Meines Erachtens handelt es sich hier um eine Propagandaaktion der Bildungsdirektion am Rücken von uns Bediensteten.

Ich möchte noch darauf hinweisen, dass zurzeit weder Lehrer noch zu unterrichtenden Schüler anwesend sind. Für das Betreuungspersonal wurde weitgehendst schon Sicherheitsmaßnahmen getroffen. (Masken, Desinfektion, Handschuhe und dergleichen)

Da diese Aktion nicht mehr verhindert werden kann, dafür ist die Zeit zu knapp um die Kolleg*innen zu informieren, ersuche ich Sie höflichst, auf die Bildungsdirektion einzuwirken solche Aktionen in Zukunft zu unterlassen.

Wir arbeiten bereits 3 Wochen unter erschwerten Bedingungen und mit Gehaltseinbußen bis zu 45%, um das „System Schule“ aufrecht zu erhalten. Soweit mir als Personalvertreter bekannt ist, sind die Krankenstände in keiner Weise mehr geworden, weil alle unsere Kolleg*innen sich der Herausforderung stellen, für unsere Stadt.

Sich aber dieser Willkür auszusetzten ist, meiner Meinung nach, eine ungeheuerliche Entgleisung der Bildungsdirektion.

Mit freundlichen Grüßen

Christian Volek

Schulwart und Personalvertreter

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